Das Fasziendystorsionsmodell (FDM) nach Typaldos

Das FDM ist ein Modell zur Diagnose und Behandlung bei Schmerzen des Bewegungsapparates, das der amerikanische Osteopath Stephen Typaldos (1957 bis 2006) entwickelt hat.

 

Faszien

Faszien! Noch vor ein paar Jahren wurden Faszien als etwas angesehen, das man entfernen muss, um an die interessanten Strukturen, wie z.B. Muskeln, zu gelangen. Heute jedoch trifft man fast überall auf das Thema Faszien; beim Heilpraktiker, im Fitnessstudio, beim Crossfit, etc. Dabei stellt sich zunächst die Frage: was sind Faszien?

 

Aus dem lateinischen kommend bedeutet Faszie so viel wie Band oder Bündel. In der Schulmedizin wird der Begriff Faszie noch eng als bindegewebige Hülle von Muskeln verstanden, während die Forschung, u.a. Robert Schleip, den Begriff sehr weit fast und Faszien als alle bindegwebige Hüllen ansiehen, die den gesamten Körper durchziehen und alles miteinander verbinden. Faszien sind demnach alle Umhüllungen der Muskeln und Nerven, alle Gelenk- und Organkapseln sowie Bänder und Sehnen. Der gesamte Körper ist somit eine große Faszie.

 

Aber nicht nur die Kontinuität der Körperfaszien wurde in der letzten Zeit immer klarer herausgearbeitet, sondern man hat in histologischen Studien herausgefunden, dass Faszien reich an Schmerzrezeptoren sind und somit die Ursache von Schmerzen sein können.

 

Distorsion

Auch bei dem Begriff Distorsion muss man zwischen dem engen schulmedizinischen Begriff und dem weiten Begriff des FDM unterscheiden.

Klassisch, d.h. schulmedizinisch, bedeutet er, dass man sich ein Gelenk verstaucht hat und dabei Bänder und Gelenkkapseln gedehnt worden sind.

Nach dem FDM können Faszien sechs verschiede Störungen aufweisen:

Triggerband (TB)

Hierbei handelt es sich um eine bandartige Faszie mit brennenden oder ziehenden Schmerzen. Der Patient zeigt sie mit einer streichenden Bewegung.

Hernierter Triggerpunkt (HTP)

Das Fasziengewebe hat sich von tieferen Schichten in oberflächichere Bereiche vorgewölbt.

Kontinuumdistorsion (CD)

Sie befindet sich an Übergangszonen der Knochen und Sehnen bzw. Bänder. Der Schmerz ist sehr punktuell, so dass die Patienten direkt auf einen Punkt zeigen.

Faltdistorsionen (FD)

Bei dieser Störung kommt es dadurch zu einer Überbelastung, dass das Gelenk übermäßig auseinandergezogen oder zusammengepresst wurde. Die Schmerzen sind tief im Gelenk.

Zylinderdystorsionen (CD)

Die spiralförmige Faszie, v.a. am Unterarm oder am Unterschenkel ist verdreht. Die Schmerzen springen oft und sind deshalb schwer zu beschreiben.

Tektonische Fixation (TF)

Die Gleitfähigkeit der Faszien ist eingeschränkt und es kommt zu einem Gefühl der Steifigkeit; jedoch ohne Schmerzen.

 

Modell

Das FDM ist ein (Erklärungs-)Modell in dem die praktischen Erfahrungen des Gründers Stephen Typaldos und seiner Nachfolger in bestimmten reproduzierbaren Mustern festgehalten wurden.

Damit das FDM wissenschaftlichen Standards genügt, wurde dabei viel Wert auf Vorhersagbarkeit und Wiederholbarkeit gelegt.

Wertvolle Informationen erhält der Therapeut vor allem aus der Krankengeschichte des Patienten (Anamnese), wie der Patient seine Beschwerden zeigt (Gestik), wie der Patient seine Schmerzen beschreibt und anhand der Untersuchung des Patienten. D.h. die Kommunikation des Therapeuten mit dem Patienten ist beim FDM sehr wichtig.

 

Anwendungsgebiete

Sehr großen Erfolg erzielt das FDM bei folgenden Beschwerden:

-        Tiefe Nackenverspannungen und – schmerzen

-        Kopfschmerzen (idR vom Nacken kommend)

-        Frozen shoulder

-        Impingementsyndrom (Schulter)

-        Schmerzen zwischen den Schulterblättern und unterhalb der Schulterblätter

-        Tennisellbogen (Epicondylitis lateralis)

-        Rückenschmerzen, v.a. Bandscheibenvorfälle und Hexenschüsse

-        Blockaden des Iliosacralgelenks (ISG-Blockade)

-        Zerrungen des Oberschenkels

-        Knieschmerzen aufgrund Stauchung, Überbelastung, Verdrehung

-        Patellaspitzensyndrom

-        Verstauchung der Fußknöchel

-        Zerrung der Wade,

-        etc.

 

Grenzen

Zunächst konzentriert sich das FDM auf Schmerzen des Bewegungsapparats, wie Schultern, Nacken, Knie, Rücken, Sprunggelenk, etc.

Notfälle, Organausfälle wie zum Beispiel Herzinfarkte sowie schwere Krankheiten wie Tumoren oder psychische Krisen gehören nicht in die osteopathische Praxis und sind somit auch keine Anwendungsgebiete im Rahmen des FDM. Je nach Lage der Dinge können sie aber von der vom Therapeuten begleitet werden, denn oft führen sie zu Schmerzen und Einschränkungen im Bewegungsapparat. Im Idealfall ergänzt das FDM die Schulmedizin.

 

FDM-Therapeut

Am 13. September 2015 habe ich die Fortbildung zum FDM-Therapeuthen gemäß den Richtlinien der European FDM Asociation (EFDMA) abgeschlossen und werde in der dortigen Therapeuthenliste unter: http://fdm-europe.com/therapeut/?id=1578 aufgeführt.

 

Links:

http://fdm-europe.com/

http://osteopathie-blog.blogspot.de/2012/04/humorvoller-patientenbericht-zum.html

https://www.youtube.com/watch?v=kq6nDUnojyU (NDR Teil 1)

https://www.youtube.com/watch?v=tiy0yBkCm00 (NDR Teil 2)

https://www.youtube.com/watch?v=B2s63diAab0

www.typaldos.org/